2005
August: Die Alte Mainzer Straße wird zu einer Brücke
Durch die Tieferlegung der Autobahn A 60 um etwa 10 Meter, wird die Alte Mainzer Straße (K 9) zu einer Brücke. Noch fährt der Autobahnverkehr auf der bestehenden Brücke über die Alte Mainzer Straße. Mit Ende der Baumaßnahme fährt er unter der Alten Mainzer Straße durch. Die Alte Mainzer Straße wird also auf einer neuen Brücke über die Autobahn geführt. Sinnbildlich gesprochen ist die Autobahn noch im ersten Stock und zukünftig im Keller, während die Alte Mainzer Straße im Erdgeschoß bleibt.
Die Autobahnbaustelle teilt sich in eine derzeit laufende, nördliche Bauphase und eine südliche Bauphase. Zuerst liegt das Baufeld im Norden und der Autobahnverkehr verläuft im Süden. Danach wechseln das Baufeld in den Süden und der Autobahnverkehr in den Norden. Durch diese Zweiteilung längs der Autobahn kann die zukünftige Brücke der Alten Mainzer Straße, erst nach der nördlichen Bauphase erstellt werden. Der südliche Teil der Brücke kann erst in der Südphase gebaut werden, wenn die zukünftige Tiefenlage der Autobahn erreichbar ist.
Eine jahrelange Sperrung der Alten Mainzer Straße, bis zum erreichen der südlichen Bauphase, verbietet sich von selbst. Daher kommt eine provisorische Brücke, eine so genannte Behelfsbrücke zum Einsatz. Eine Brücke besteht im Allgemein aus einer Platte und zwei Pfeilern. Die Platte der eingesetzten Behelfsbrücke besteht aus einer Stahlkonstruktion und kommt fertig montiert in einem Stück auf die Baustelle. Hier wird die Platte mit einem Mobilkran auf die vor Ort hergestellten Pfeiler gehoben. Somit ist die Alte Mainzer Straße wieder begeh- und befahrbar. Der Bau einer endgültigen Brücke würde eine mehrere Monate lange Sperrung bedeuten. Mit der Behelfsbrücke wird die Sperrung nur mehrere Wochen dauern.
Die Stützweite (Abstand zwischen den Widerlagern) beträgt fast 60 Meter. Diese Stützweite überspannt eine einzelne Behelfsbrücke. Aber da die Behelfsbrücke zum einem zwischen bestehende Autobahnbrücke und Alte Mainzer Straße passen muss und zum anderen hoch genug über der zukünftigen Autobahn liegen muss, wenn der Autobahnverkehr auf der Nordseite unter der Alten Mainzer Straße hindurch fährt, werden zwei Behelfbrücken hintereinander montiert. Die zwei hintereinander liegenden Behelfsbrükcen bilden zusammen eine Behelfsbrückenkette. Wie vor der Baumaßnahme, sind auch während der Baumaßnahme der Straßenverkehr vom Geh- und Radweg getrennt. Eine Behelfsbrückenkette nimmt den Straßenverkehr auf und eine zweite Behelfsbrückenkette Radfahrer und Fußgänger. Zur Kosteneinsparung steht während der Baumaßnahme nur eine Geh- und Radwegverbindung zur Verfügung. Nach der Baumaßnahme werden natürlich wieder auf beiden Seiten der Alten Mainzer Straße Rad- und Gehwege zur Verfügung stehen.
August: Eine Autobahnbrücke verschwindet für immer …
Mit dem Abbruch der nördlichen Autobahnbrücke über die Alte Mainzer Straße verschwindet der erste Teil der Autobahnbrücke. Auf dem südlichen Teil der Autobahnbrücke, wird weiterhin der Autobahnverkehr provisorisch geführt (links im Foto). Während nördlich des früheren Mittelstreifens an der Tieferlegung der Autobahn gebaut wird. Zukünftig wird die Autobahn unter der Alten Mainzer Straße liegen.
Sobald die Autobahn nördlich des Mittelstreifens tiefer gelegt ist, wird der Autobahnverkehr von oben nach unten verlegt. Der Autobahnverkehr fließt nun provisorisch auf der fertig gestellten nördlichen Richtungsfahrbahn. Jetzt kann auch der zweite, südliche Teil der Autobahnbrücke über die Alte Mainzer Straße abgerissen werden, um die Autobahn südlich des Mittelstreifens tiefer zu legen. Somit ist die Autobahnbrücke über der Alten Mainzer Straße gänzlich verschwunden. Die Alte Mainzer Straße wird zufkünftig auf einer Brücke über die Autobahn führen.
Für den Abbruch muss die Alte Mainzer Straße für alle Verkehrsteilnehmer gesperrt werden. Die Umleitung ist über die Max-Hufschmitdt-Straße und den Heiligkreuzweg ausgeschildert. Um die Verkehrsbeeinflussung gering zu halten, findet die Sperrung gezielt in den Sommerferien statt. Die Bauarbeiten werden beschleunigt, indem Tag und Nacht gearbeitet wird. Dies verkürzt die Dauer der Sperrung entscheidend.
Am Montag, 1. August 2005, rückten zwei Bagger an, die nach getaner Arbeit am Donnerstag, 4. August 2005, das Baufeld verließen. Die ersten 48 Stunden wurde Tag und Nacht durchgearbeitet, um das Baufeld für die weiteren Arbeiten frei zu haben. Die nächsten 48 Stunden wurden tagsüber die Seitenbereichen der Brücke abgerissen, während die Folgearbeiten anliefen.
Zuerst wird die Straßenausstattungen, wie zum Beispiel Schutzplanken und Stahlgeländer von der Brücke entfernt. Im Anschluss wird, um eine Verwertung des Abbruchguts zu gewährleisten, zuerst die 250 Quadratmeter große Asphaltschicht auf der Brücke entfernt. Eine "Kaltfräse" fräst in einem Arbeitsgang die Asphaltfahrbahn ab und belädt per Förderband bereitstehende LKWs. Nun kommt es zum Abbruch der Brücke. Kettenbagger rücken den insgesamt etwa 900 Tonnen Beton zu Leibe. Die mit Hydraulikhammern zerkleinerte Brücke, wird als Betonbruch mit Radlader auf LKW geladen und zu einer Recyclinganlage gefahren.
November: Info-Center als zusätzliche Informationsquelle
Die Information der Verkehrsteilnehmer und der Mainzer Bevölkerung war von Beginn ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit der Projektgruppe Mainzer Ring. Der A 60 kommt gerade im Mainzer Raum eine enorme verkehrliche Bedeutung zu. Sie ist Verteilerschiene für den lokal orientierten Verkehr der Landeshauptstadt und überregionale Verbindung für die Rhein-Main-Region. Um die 80.000 Fahrzeuge nutzen die Autobahn täglich. So war schon in der Vorbereitungsphase klar, dass die Bauarbeiten - die immer unter Verkehr durchgeführt werden mussten - nicht unerhebliche Einschränkungen und Behinderungen für die Kraftfahrer mit sich bringen werden.
Da eine Sperrung der A 60 oder eine Umleitung des Verkehrs auf andere Trassen während des Baus nicht in Frage kam, sah man nur in einer möglichst umfassenden Information der Öffentlichkeit einen Weg den Verkehrskollaps zu verhindern.
"Es hat sich gezeigt, dass die Verkehrsteilnehmer recht flexibel und schnell auf Veränderungen reagieren. Stauanfällige Streckenabschnitte werden umfahren oder Fahrten zu verkehrsschwächeren Zeiten durchgeführt" fasst Wolfgang Zillien - bei der Projektgruppe schwerpunktmäßig für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig - die Erfahrungen zusammen. "Informiert man die Öffentlichkeit so umfassend wie möglich, gibt man ihr zumindest die Möglichkeit, die Fahrgewohnheiten an die geänderten Bedingungen anpassen zu können."
Die Öffentlichkeitsarbeit wird durch das Anfang November 2005 in der Hechtsheimer Curiestraße eröffneten Info-Center nochmals verstärkt und vor allem bürgernäher. Während die vorangegangenen Bauabschnitte nur relativ geringe Auswirkungen auf das städtische Umfeld hatten, ergeben sich bei der jetzt laufenden Autobahntieferlegung mehr Berührungspunkte mit den angrenzenden Stadtquartieren und den städtischen Verkehrswegen. Mit Videopräsentationen, Schautafeln, Plänen und einem Modell soll vor allem der Mainzer Bevölkerung die Baumaßnahme noch transparenter und anschaulicher dargestellt werden.
Öffnungszeiten: wöchentlich jeweils Freitag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.
In dieser Zeit kann der Interessierte die Informationen studieren und Fragen mit einem Mitarbeiter der Projektgruppe erörtern. Nach Voranmeldung besteht die Möglichkeit, für Gruppen gesonderte Führungen zu organisieren.

